Reform der Notfallversorgung
6. Januar 2026
Neue Leitstellen, Notfallzentren und klarere Zuständigkeiten
Wer nachts plötzlich starke Schmerzen hat oder am Wochenende medizinische Hilfe braucht, steht oft vor der Frage: 112 oder 116117? Während die 112 für lebensbedrohliche Notfälle zuständig ist, erreicht man unter der Nummer 116117 den ärztlichen Bereitschaftsdienst – also Hilfe bei akuten, aber nicht lebensgefährlichen Beschwerden außerhalb der regulären Praxiszeiten. Genau diese Unsicherheit soll künftig verringert werden.
Die Bundesregierung plant eine umfassende Reform der Notfallversorgung, über die 2026 entschieden werden soll. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten schneller in die richtige medizinische Versorgung zu lenken und Rettungsdienste sowie Notaufnahmen zu entlasten. Aktuell nehmen Verbände wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter sowie Fachleute aus der Medizin Stellung zum Gesetzentwurf.
Auslöser für die Reform ist eine seit Jahren zunehmende Überlastung des Systems, so das Bundesgesundheitsministerium. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2024 rund 13 Millionen ambulante Notfälle in deutschen Krankenhäusern behandelt – so viele wie noch nie. Viele dieser Fälle hätten auch außerhalb der Notaufnahme versorgt werden können. Gleichzeitig steigen die Kosten für Rettungsdienst und Krankentransporte seit Jahren deutlich.
Kern der geplanten Reform ist eine bessere Steuerung bereits beim ersten Kontakt. Vorgesehen ist, die Notrufnummern 112 und 116117 enger miteinander zu verzahnen und Anrufe künftig in sogenannten Gesundheitsleitstellen strukturiert medizinisch einzuschätzen. Ergänzend sollen an ausgewählten Krankenhäusern Integrierte Notfallzentren entstehen, in denen Patienten zentral erfasst und anschließend gezielt weitergeleitet werden.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken weist darauf hin, dass Notaufnahmen und Rettungsdienste immer häufiger für Fälle in Anspruch genommen würden, die keine lebensbedrohlichen Notfälle seien. „Solche Bagatellfälle blockieren Kapazitäten, verlängern Wartezeiten für echte Notfälle und binden medizinisches Personal“, erklärt Warken.
Aus Sicht des Landkreises Waldeck-Frankenberg könnten die geplanten Strukturen dazu beitragen, Leitstellen zu entlasten und Einsatzmittel effizienter einzusetzen. „Patientinnen und Patienten würden schneller und gezielter in die passende Versorgung vermittelt“, teilt der Landkreis mit.
Til Reuter, stellvertretender Rettungsdienstleiter des DRK Bad Wildungen und Mitarbeiter der Leitstelle Waldeck-Frankenberg, sieht darin einen entscheidenden Schritt. „Es ist sinnvoll, wenn bereits beim ersten Telefonat geklärt werden kann, ob der Rettungsdienst wirklich notwendig ist oder ob der ärztliche Bereitschaftsdienst ausreicht“, sagt Reuter. So ließen sich Fehlalarme vermeiden und Einsatzmittel gezielter einsetzen – insbesondere im ländlichen Raum.
Rettungsdienst als medizinische Leistung
Ein zentraler Punkt der Reform betrifft den Rettungsdienst. Die Notfallrettung soll künftig ausdrücklich als medizinische Leistung anerkannt werden. Damit wird erstmals gesetzlich festgeschrieben, dass nicht nur der Transport ins Krankenhaus, sondern auch die medizinische Versorgung am Einsatzort sowie die Betreuung während eines Transports Teil der Krankenbehandlung sind. Ziel ist es, eine klare Rechts- und Finanzgrundlage für die Arbeit des Rettungsdienstes zu schaffen.
Gerd Windhausen vom DRK Bad Wildungen, Leiter des dortigen Rettungsdienstes, begrüßt diese Anerkennung. Sie mache deutlich, dass der Rettungsdienst weit mehr sei als ein reiner Transportdienst. Künftig werde rechtlich festgehalten, dass auch Einsätze ohne Krankenhaus-Transport vollwertige medizinische Leistungen darstellen. Damit werde abgesichert, dass sogenannte „Leerfahrten“ – also Einsätze, bei denen Patientinnen und Patienten nach medizinischer Abklärung vor Ort bleiben oder ambulant weiterbehandelt werden – von den Krankenkassen anerkannt und finanziert werden müssen.
In der Praxis ändere sich dadurch zunächst wenig, so Windhausen. Der Rettungsdienst werde bereits pauschal finanziert. Am Ende eines Jahres werde ermittelt, was ein durchschnittlicher Rettungsdiensteinsatz koste – unabhängig davon, ob ein Patient ins Krankenhaus transportiert werde oder nicht. „Die medizinische Leistung wird in jedem Fall erbracht“, erklärt Windhausen. Dazu gehörten unter anderem Untersuchungen wie Blutdruck-, Puls-, Sauerstoff- oder Blutzuckermessungen, ein EKG zur Beurteilung der Herzfunktion sowie die medizinische Einschätzung und Versorgung vor Ort. Die geplante Neuregelung stärke vor allem die Anerkennung dieser Arbeit.
Hinweise aus Fachverbänden
Grundsätzlich stößt der Gesetzentwurf bei vielen Fachverbänden auf Zustimmung, zugleich wird aber Nachbesserungsbedarf gesehen. Die ADAC Luftrettung etwa begrüßt insbesondere die geplante digitale Ersteinschätzung und die engere Vernetzung der Leitstellen. Gerade bei zeitkritischen Einsätzen sei es entscheidend, dass Notrufe korrekt eingeordnet und Standortdaten vollständig übermittelt würden. Zugleich fordert der ADAC bundesweit einheitliche Standards, um Verzögerungen in der Rettungskette zu vermeiden.
Auch Fachverbände aus der Kinder- und Jugendmedizin unterstützen die Reform grundsätzlich. Sie betonen jedoch, dass neue Strukturen wie Integrierte Notfallzentren keine Doppelstrukturen schaffen dürften. Bestehende Angebote für Kinder und Jugendliche – etwa in der ambulanten Versorgung oder bei psychischen Krisen – müssten gezielt eingebunden werden, um unnötige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.
Aus der Palliativmedizin kommt zudem der Hinweis, dass bei schwererkrankten oder hochbetagten Menschen nicht jeder Notfall automatisch eine Klinikeinweisung erfordere. Eine frühzeitige palliativmedizinische Einschätzung, etwa über telemedizinische Beratung, könne helfen, Übertherapie zu vermeiden und Entscheidungen stärker am Patientenwillen auszurichten.
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Eigentlich wollten Joshua und Marek Biesenthal nur ein wenig im Internet scrollen, ein paar Preise von Autos vergleichen – nichts Besonderes. Doch dann bleibt Joshua bei einem alten Subaru Libero hängen. Baujahr 1997, ein wenig skurril, ein bisschen Kult. Schnell ist klar: Den Bus wollen sie haben. Was sie damit machen wollen, wissen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ideen gibt es viele – bis klar wird: Das, was sie suchen, machen sie längst. In der Scheune des elterlichen Bauernhauses betreiben sie bereits ein Scheunenkino. Warum also nicht beides zusammenbringen? Die Idee: ein Kino, das dorthin fährt, wo sonst keine Leinwand steht. „Wenn wir es jetzt nicht machen, dann machen wir es nie“, erinnert sich Marek. Aus dieser Entscheidung entsteht im Corona-Winter ein Projekt, das heute durch ganz Deutschland reist – und nun am Edersee Station macht. Das sogenannte „SubaLi-Wanderkino“ bringt in diesem Jahr fünf Open-Air-Vorführungen an besondere Orte rund um den Edersee. Hinter dem Projekt stehen der Nationalpark Kellerwald-Edersee, der Naturpark und das Edersee-Marketing. „Der Bus ist zwar klein, aber die Leinwand ist dafür riesengroß – da passen etwa 150 Menschen davor“, sagt Joshua Biesenthal. Wenn das Wanderkino ankommt, dauert es nicht lange, bis aus dem Kleinbus ein Kino wird. Das Dach klappt auf, der Projektor fährt nach oben, die Leinwand wird aufgebaut. Im Inneren des Fahrzeugs steckt die komplette Technik. „Wir kommen an mit einem Projektor, einer Leinwand, Lautsprechern und ganz viel Technik – das ist ziemlich eng“, sagt Joshua. Oft sind sie dabei zu dritt unterwegs und bauen gemeinsam auf. Mit dabei ist bei jeder Tour auch ein fester Begleiter: „Der Teddybär heißt Bruno und ist immer mit dabei und sitzt auf dem Beifahrersitz“, sagt Marek. Vieles im Bus ist selbstgebaut. Marek hat sich vor allem um den Ausbau gekümmert und tüftelt immer wieder an neuen Lösungen. In den vergangenen Jahren waren die Brüder mit ihrem Wanderkino bereits an unterschiedlichsten Orten unterwegs – an Küsten, auf Dorfplätzen oder mitten in der Natur. Am Edersee wird das Konzept gemeinsam mit regionalen Partnern umgesetzt. Der Eintritt ist frei, möglich gemacht durch die Unterstützung mehrerer Sponsoren aus der Region. „Jeder kann einfach mit seiner Decke und einem Kissen vorbeikommen und den Filmabend genießen“, sagt Lisa Brüne vom Edersee-Marketing. „Eines haben alle Filme gemeinsam: Sie erzählen Geschichten mit Bezug zur Region Edersee. Das war uns bei der Planung besonders wichtig. Wir möchten mit dem Programm Jung und Alt ansprechen und haben deshalb eine Mischung aus Familienfilm, Komödie und Dokumentation ausgewählt“, sagt Claus Günther, Geschäftsführer des Edersee-Marketings. Zum Auftakt der Reihe ist am 8. Mai eine Familienvorstellung im Wildtier-Park geplant. Gezeigt wird der Film „Der Lorax“. Bereits vor Beginn gibt es ein Rahmenprogramm. Außerdem stellt Jana Zulauf von der Greifenwarte Edersee einen ihrer Vögel vor. Weitere Stationen des Kinos sind der Schlossgarten in Waldeck, die Kellerwald-Uhr in Frankenau, die Burg Jesberg und die Naturbühne in Bergfreiheit. Typisch für ein Open-Air-Kino beginnt der Film erst bei Einbruch der Dunkelheit. Bis dahin bleibt Zeit, sich mit Snacks, Getränken oder Popcorn einzustimmen. Sollte Regen vorhersehbar sein, werden Ausweichorte genutzt. In Waldeck ist dann etwa eine Vorführung im Rittersaal von Schloss Waldeck vorgesehen.

Wer dieser Tage durch die Brunnenallee und die Altstadt läuft, hört immer wieder Sätze wie „Komm, lass uns hier noch schnell ein Foto machen.“ Kaum jemand hat die Hände frei – stattdessen werden Handys gezückt, Motive gesucht, Perspektiven ausprobiert. Vom 29. März bis zum 26. April ist Bad Wildungen wieder Osterstadt. Denn der Osterschmuck hängt wieder. Ein Spaziergang entlang der Brunnenallee zeigt schnell: Hier geht es nicht nur ums Gehen. Es ist ein Schlendern, ein Stehenbleiben, ein Schauen. Immer wieder bleiben Menschen stehen, zeigen auf die geschmückten Figuren, lachen, posieren. „Das ist ja richtig schön geworden dieses Jahr“, sagt eine ältere Frau und bleibt vor dem Kurschattenbrunnen stehen. Tausende bunte Ostereier schmücken Bäume, ziehen sich als Ketten durch die Brunnenallee und setzen auch in der Altstadt farbige Akzente. Besonders die Wildunger Brunnen sind aufwendig dekoriert – mit Bögen aus Eierketten, Blumen und vielen kleinen Details. Sie werden zu Blickfängen, vor denen sich immer wieder kleine Menschentrauben bilden. Doch nicht nur die Brunnen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Entlang der Wege tauchen bepflanzte Figuren auf – etwa eine Entenfamilie aus Frühlingsblumen, große bunte Eier auf den Wiesen oder kunstvoll angelegte Beete in Formen und Mustern. Pünktlich zum Frühlingsauftakt lädt am Sonntag auch ein verkaufsoffener Sonntag zum Bummeln ein – und bringt zusätzlich Leben in die ohnehin gut gefüllte Innenstadt. Je weiter der Weg durch die Allee führt, desto deutlicher wird: Der Osterschmuck ist nicht nur Dekoration, er verändert das Tempo. Menschen laufen langsamer, schauen genauer hin, kommen ins Gespräch. Kinder zeigen auf besonders große Eier, laufen von einem Motiv zum nächsten. Immer wieder sind Sätze zu hören wie „Guck mal da drüben“ oder „Hier ist es noch schöner“. Mit viel Handarbeit zum Osterschmuck Dass das alles so selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis vieler Wochen Arbeit. Seit Wochen wird bei Angelika Lötzer und ihrem Frauenteam fleißig eingefädelt. Sie bereiten den Brunnenschmuck vor, bohren in Handarbeit kleine Löcher in Tausende Eier, fädeln sie auf und sorgen dafür, dass später jedes einzelne seinen Platz findet. „Da steckt richtig viel Arbeit drin“, sagt Frank Volke, Vorsitzender des Altstadtvereins. „In diesem Jahr haben wir noch einmal 5000 Eier zusätzlich vorbereitet – alle per Hand gebohrt und aufgefädelt, damit sie aufgehängt werden können.“ Insgesamt bedeutete das rund 10.000 gebohrte Löcher – pro Ei zwei. Was einst klein begann, ist längst zu einem festen Bestandteil des Frühlings in Bad Wildungen geworden – und zieht jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Seit fast drei Jahrzehnten zeigt sich die Stadt im Frühling als farbenfrohes Osteridyll. 1997 hat alles klein angefangen, aus ersten, dezenten Dekorationen wurde ein echtes Erfolgsmodell, das längst über die Region hinausstrahlt. Oben am Fürstenhof öffnet sich schließlich der Blick über die Brunnenallee. Direkt daneben plätschert ein geschmückter Brunnen. Wieder bleiben Menschen stehen, erneut werden Fotos gemacht.

Der Bagger steht bereit, die Schaufeln liegen daneben – mitten im Neubaugebiet von Odershausen wird an diesem Sonntag nicht gebaut, sondern gefeiert. Zum 140-jährigen Bestehen pflanzt der Männergesangverein 1886 Odershausen an diesem Tag eine Eiche. Rund 100 Besucher verfolgen die Aktion. Zunächst hebt ein Bagger ein großes Loch aus, dann übernehmen Felix Rohlfs und sein Vater Carsten. Die junge Eiche wird eingesetzt – doch ganz gerade steht sie noch nicht. Also wird wieder geschaut, ein Stück gedreht, noch einmal Erde gelöst, neu ausgerichtet. Mehrmals gehen die beiden um den Baum herum, prüfen den Stand aus verschiedenen Blickwinkeln, bis schließlich alles passt. Mit viel Geduld wird Erde aufgefüllt und festgetreten, immer wieder nachjustiert. Auch andere Helfer packen mit an. Es ist eine Arbeit, die Zeit braucht – und genau die nimmt man sich an diesem Tag. Möglich wurde die Pflanzaktion durch mehrere Sponsoren, eine Infotafel soll künftig an das Jubiläum erinnern. Musikalisch begleitet wird die Aktion vom Posaunenchor Odershausen. Nach dem Einpflanzen versammeln sich die Sänger vor der Eiche: Zuerst erklingt „Alt wie ein Baum“, anschließend das „Waldecker Lied“ – gemeinsam mit dem Posaunenchor. Viele Besucher bleiben stehen, hören zu, einige singen mit. Die Stimmung ist ruhig und feierlich. Die Pflanzaktion ist der Auftakt für mehrere Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Bereits am 26. April steht ein Boßeln an der Grillhütte in Odershausen auf dem Programm – ein geselliger Volkssport, bei dem Mannschaften eine Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke bewegen. Am 3. Mai folgt das Maibaumstellen auf dem Dorfplatz. Höhepunkt wird das Festwochenende vom 18. bis 20. September im Schützenhaus in Odershausen sein. Der Männergesangverein zählt aktuell 22 aktive Sänger – von jungen Mitgliedern ab 18 Jahren bis zu Sängern im Alter von 89 Jahren. Er ist der älteste Verein in Odershausen und prägt das Dorfleben seit Generationen. „Gerade diese Mischung aus Erfahrung und Nachwuchs macht unseren Chor bis heute aus“, sagt der Vorsitzende Carsten Rohlfs. „Auch in Zukunft wollen wir neue Sänger gewinnen und die Gemeinschaft weiter stärken.“ Auch Sänger aus den Männergesangvereinen aus Bergheim und Wellen waren bei der Pflanzaktion dabei und unterstützten den Jubiläumsauftakt musikalisch.
